„Ach, ist doch garantiert digital verändert“!

schatten.jpg Wer googelt findet Link über Link von diversen neuen Programmen. Vorab über den CS5 von Adobe. Längst habe ich hier im Blog auf lange Ausführungen zu diesen Programmen verzichtet. Wer mehr darüber wissen will, findet genügend Infos im Internet. Jetzt erfährt man die neuesten Infos über Lightroom 3 oder auch erste Gerüchte über diverse andere Programme, die zur Photokina erscheinen sollen. Tausende von Entwickler basteln an allen Möglichkeiten der Vereinfachung um Bilder nachträglich zu verändern. Schwer haben es die Fotografen, welche tatsächlich noch gute Bilder ohne diese diversen Programme schaffen.  „Ach, ist wohl digital bearbeitet“, hört man öfters bei einer Ausstellung. Der so angesprochene Fotograf schaut verblüfft aus der Wäsche und ärgert sich, denn er hat einfach nur sein Motiv mal in einer anderen Sichtweise gezeigt und es perfekt abgelichtet. Er hat mit echtem Licht fotografiert und nicht mit einem digitalen Lichtfilter. Er ärgert sich natürlich über solche Aussprüche. Da kann es sich so mancher Amateur oder „Experte“ nicht vorstellen, daß es bei dem gezeigten Bild auch ohne Programme ging. Diese analogen Fotografen werden es auch weiterhin nicht einfacher haben, denn bei den Möglichkeiten der neuen Programme, wird sich diese Kluft noch verstärken. Aber warum müssen wir bei einem Bild – wenn es nicht gerade dem Bildjournalismus angehört – immer zuerst überlegen, ist es digital oder analog? Schon diese zwei Wörter müssten „Unwort des Jahres“ sein. Ein Bild sollte doch einfach nur emotional bewegen oder uns berühren? Auch bei einem Wettbewerb! Ob der Fotograf 18 Stunden auf einen Maikäfer im Gebüsch gewartet hat oder ihn aus 18 Bildteilen sauber zusammengesetzt hat, ist dort Nebensache. Wettbewerb heisst immer neue Bildansichten, neue Ideen, neue Sichtweisen. Das heisst auch, daß alle neuen Techniken benutzt und akzeptiert werden. Das war früher so und wird auch in Zukunft so sein.  Die Vorderseite des Bildes wird bewertet und nicht die Rückseite, welche die Methode oder die Schwierigkeiten des Fotografen beschreibt. Und auf der Vorderseite sollte sich ein Juror/Betrachter einfach über das gezeigte Bild erfreuen und sich nicht ewig mit der Frage abgeben: Digital oder Analog? Ab CS5 müssten selbst Maler diese Frage diskutieren, den dann kann ich auch der Abbildung einer „Malerei“ nicht mehr trauen. Halten wir es doch einfach so, wie es einmal ein Fotograf erklärt hat: „Mir ist es völlig egal wie der Fotograf das Bild gemacht hat. Ob mit Programm oder ohne. Ob er es auf eine Steinplatte belichtet oder geklopft hat, auf Pappe, auf Metall oder auf Klopapier. Mich interessiert nur, ob der Fotograf mir mit seinen Fotos überhaupt etwas zu sagen hat.“ 

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Über Detlev Motz

Jahrgang 1946, gelernter Verlagskaufmann, 10 Jahre bei READER DIGEST, 25 Jahre Redakteur bei COLOR FOTO, diverse Bücher, Kodak Fotobuchpreis 1999 für "Kreative Bildgestaltung in der Fotografie", TV-Serie, DAS ABC DER FOTOGRAFIE. Seit 20 Jahren mit meiner Frau zusammen, die ebenfalls gerne und sehr gut fotografiert.

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