Trend – man kann sich nicht in andere hineinversetzen!

stift.jpgAn dieser Stelle möchte ich nochmals auf die Idee mit den „Bildaufklebern“ zurück kommen und einen Erklärungsversuch starten. Zwei Mail-Einsender von 45 scheinen diesen noch nicht einmal im Ansatz begriffen zu haben. Dabei bleibe ich auch weiterhin bei meiner Meinung: Beim neuen System bekommt der Einsteiger keinerlei Feedback! Ich stehe mit Manfred Kriegelstein fast laufend in Kontakt, während sich noch kein Bezirksleiter und kaum ein Landesverbands-Vorsitzender mal die Mühe gemacht hat beim „Guru“ selbst nachzufragen warum man sein System auch auf einer Bezirksfotoschau anwenden sollte! Vielleicht kann es auch der Präsident erklären – mal anrufen! Das Rundensystem wurde vor allem für die BUFO entworfen, wo es auch seine Berechtigung hat. Vergleichen wir die ganze Geschichte mal mit Sport – denn so werden Fotowettbewerbe eigentlich veranstaltet. (Schade, dass es da nicht auch nach Zeit gehen kann.. wäre ja noch einfacher.) Es gibt einen Bezirks-, Landes- und Bundeswettbewerb. Auch weiterhin gibt es aber selbst im DVF Wettbewerbe mit Punkten! Ich sage nur „Hallo Iris“ (Für Einsteiger, das ist keine Frau). Von einem Sportler/Fotografen kann ich verlangen, daß er auf die „Bundes“ perfekte Bilder schickt ohne technische Mängel, die auf dem Aufkleber ja noch erwähnt sind (bei einer Bundesfotoschau wäre es unnötig, weil ich dort erwarten kann, dass die Leute wissen, wie ein technisch und gestalterisch gutes Bild aussieht). Wer sich an einer Olympiade beteiligt, sollte eben keine Stütz-Strümpfe tragen.

Ich kann auch erwarten, dass hier Fotoclub-Vorsitzende den Einsteigern Hilfestellung geben. Was nicht immer der Fall ist, weil der Vorsitzende von Bildgestaltung selbst keine Ahnung hat und deshalb lieber über Technik spricht. Auf der BUFO gibt es (normalerweise) Juroren, die selbst ihr Handwerk verstehen und Trends kennen sollten. Auf diesem Wettbewerb soll nun – lt. Kriegelstein – das Niveau gesteigert werden, da dieser Wettbewerb das AUSHÄNGESCHILD für den Verband ist. Dies ist der Wunsch von Manfred Kriegelstein und nachvollziehbar. Lassen wir die Landesfotoschau weg, es würde hier zu weit führen. Die Bezirksfotoschauen sind für mich der „Einstieg“ in die Wettbewerbs-Szene. Er entscheidet, ob ein Anfänger einmal an der fotografischen Nadel hängt oder dem DVF wieder den Rücken kehrt. Hier kann ich nicht verlangen, dass ein Fotograf behandelt wird, wie auf einer BUFO. Er verdient sich bei der Bezirks „die Sporen“.

Leider gibt es hier ein Problem. Anscheinend wird „das Kriegelstein-System“ einfach auf diese angewandt (gibt es einen Bezirksleiter der schon mal mit Kriegelstein oder seinem LV Kontakt hatte um ihn zu fragen ob das so erwünscht war?Bitte melden!). Dort hat der Ausrichter andere Probleme wie auf einer BUFO. Ich höre immer, dass ein Problem bereits die Suche nach Juroren ist. Diese kommen ehrenamtlich, werden nicht bezahlt, kommen meist aus den Clubs und haben oft die gleichen Ansichten wie Mante vor 40 Jahren!  Ich spreche hier nicht von den vielen guten Juroren, die es dort natürlich auch gibt. Viele der Teilnehmer sind Einsteiger und haben weder eine Ahnung wie eine Jurierung abläuft noch bekommen sie Hilfestellung im Club.

Dort sitzen oft Vorsitzende, die nicht wollen, das der „Einsteiger“ eventuell besser ist als er oder selbst keine Ahnung von Bildgestaltung haben. Namen dazu könnte ich einige nennen.  Wir wissen alle, dass in manchen Clubs noch regiert wird wie in „Analog-Zeiten„. Jedes Bild ist schlecht, das dem 80jährigen Vorsitzenden nicht gefällt. Die Kasse ist bei diesen Clubs voll, Referenten werden nicht eingeladen, weil nur der Geschmack eines veralteten Vorsitzenden im Vordergrund steht, für den Internet bereits ein „Teufelsding“ ist.

Lassen sie mich hier keine Beispiele aufführen – es gibt genügend. Einsteiger in diese Clubs sind mehr oder weniger auf sich gestellt und beteiligen sich nun bei einer Bezirks-Fotoschau, bei der sie ebenfalls keinerlei Feedback mehr bekommen. Wie soll dieser im Club oder bei einer Teilnahme den Spaß an der Fotografie erfahren? Ich habe diesen Spaß vor 40 Jahren in zwei Clubs in Stuttgart entdeckt und in meinem eigenen Club in Isny zu vermitteln versucht. Aber auch ich kam nicht ohne die Bekanntschaft vieler Referenten und Bücher (auch von Mante) auf die richtige „Wettbewerbsspur“. Heute habe ich den Eindruck, das sich – wie Eva Zernig es im Kommentar sagt – ältere Fotografen-„Meister“ überhaupt nicht mehr daran erinnern was sie für Hilfen bekommen haben oder es einfach aus Faulheit nicht vermitteln wollen. Der Lieblingssatz von Funktionären: „Wollen wir nicht – können wir nicht – haben wir schon immer so gemacht – dauert zu lange – ist Sache des Landesvorsitzenden (der dann gerade im Urlaub ist). 

Wenn ausser Gejammer überhaupt einmal eine Idee kommt darf man sich darüber schon freuen. Warum ist es nicht möglich – um nur ein Beispiel zu sagen – dass technisch schlechte Bilder oder Fotos mit gravierenden Gestaltungsmängeln,  sofort in der ersten Runde herausfallen? Bitte keinen Eintrag – das ist doch so… es wäre gelogen. Dann kann man es dem Einsteiger doch auch klar sagen! Warum sind technisch schlechte Bilder noch in der zweiten Runde dabei, wie ich selbst gesehen habe und wie mir ziemlich oft bestätigt wird? Weil diese Ansage meist unterbleibt. „Die Juroren werden es schon richten“! Ja, bei klaren Ansagen! Ich habe Jurierungen gesehen (keine Bezirks-), mit 3000 Fotos, bei denen erst bei der Medaillenvergabe von der Jury festgestellt wurde, das zwei dieser Bilder völliger Murks waren. Weshalb – weil es aus 5 Meter Entfernung für die Juroren nicht zu sehen war. Satz des Ausrichters, dieses Foto doch herunter zu stufen: „Jetzt hat es seine Punkte und seine Medaille – so bleibt es.“

Ich bin der Meinung, man muss Juroren eine klare Ansage machen, was in der ersten Runde verschwinden muss, damit auch der Teilnehmer eine klare Ansage bekommt (wie auch immer ausgeführt).  Wie es auch beim Punktesystem eine klare Ansage vor der Jurierung geben muss (was ich in 20 Jahren noch nie erlebt habe, ausser dem Spruch, nicht zu nieder zu werten, weil der Teilnehmer sonst vielleicht im nächsten Jahr nicht mehr mitmacht… Hohe Punkte bedeuten in diesem Fall mehr Einnahmen für den Veranstalter). Ich habe bei FOTO CREATIV oft genug die Jury unterbrochen, weil es Abweichungen von 2 bis 10 Punkten bei einem Bild gab. Um daran zu erinnern: 2 ist schlecht – 10 ist TOP! Hier kann etwas nicht stimmen. Nur bei klaren Ansagen, kann ich natürlich dem Teilnehmer exakt mitteilen, weshalb er nicht in der zweiten Runde ist.

Dass ich persönlich für öffentliche Jurierungen bin – aus vielen Gründen – ist kein Geheimnis. Gerade bei einem Bezirkswettbewerb sollte es eine öffentliche Jury geben, denn dort kann der Einsteiger sehen, wie mit seinem Bildern umgegangen wird und er kann den einen oder anderen Juroren in der Pause fragen (ja, ich weiss, geht nicht, wollen wir nicht, haben wir immer schon so gemacht). Was nicht stimmt, ich war als Juror bei vielen öffentlichen Jurierungen auch beim BSW dabei. Hier muss der Juror seine Meinung in der Pause vor den Zuschauern verteidigen, was nicht jeder gerne macht oder auch kann (Ich kann mich heute, nach vielen Jahren, daran erinnern, wie ein Fotograf aus Bayern seine farbigen Passepartouts in einer Pause verteidigte – heute wird er selbst darüber lachen).

Gottseidank gibt es zwischenzeitlich viele öffentliche Jurierungen. Auch das ist ein Ziel, das Kriegelstein unterstützt. Wie letztendlich Aufkleber aussehen und welche Stichwörter darauf stehen – da muss ein Funktionär einfach mal in ein Fachbuch schauen und nicht sofort als „Mist“ beurteilen. Wer solche Meinungen hat, ist als Juror nicht tragbar oder kann sich nicht mehr an seine Zeit als Einsteiger erinnern.  Es wird ja einen 2. Jurierungs-Kongress geben, vielleicht probiert man diese Methode einfach einmal aus. Dann sieht man auch, dass diese Möglichkeit insgesamt nicht mehr als 30 Minuten zeitlichen Einsatz kostet. Da dauert das Gejammer der Funktionäre meist länger… Wichtig ist meiner Meinung nach, dass der Einsteiger das Gefühl hat, als ZAHLENDER Teilnehmer des DVF auch für voll genommen zu werden. Diesen Eindruck habe ich zwar noch nie gehabt, aber ich bin in DVF-Jahren noch ein junger Fotograf mit 64 Jahren.

NACHTRAG: Die BSW-Fotoclubs und auch der VÖAV bleiben beim alten System, wie ich gehört habe. Über kleine Änderungen wird nachgedacht. Danke noch an die Verbände, dass sie diese Themen nicht selbst aufgreifen, denn sie bringen mir viele Leute auf den Blog, die genau solche Gedankengänge auf Verbands-Seiten vermissen. Halleluja-Berichte, endlos viele Formulare als Download und abgeschriebene Presse-Meldungen bringen keinen Verband weiter und noch weniger jugendliche Interessenten auf die Seite.

Wichtige Erwähnung zu diesem Artikel, der durch einen Kommentar von Eva-Maria Zernig entstanden ist: Sie ist Einsteigerin (!!!) und hatte auf Anhieb den 2. Rang auf der diesjährigen BUFO. Sie gewann bereits diverse Preise. Ich hoffe, dass ich zur Club-Feier im Fotoclub Ottobrunn, die ja sicher stattfinden wird, eingeladen werde. Man kann hier nur gratulieren und ich bleibe auch hier bei meiner Meinung: Die Frauen sind schwer im kommen, während viele Männer immer noch der fotografischen Steinzeit hinterher heulen. 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in DVF, Fotowettbewerb von Detlev Motz. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.

Über Detlev Motz

Jahrgang 1946, gelernter Verlagskaufmann, 10 Jahre bei READER DIGEST, 25 Jahre Redakteur bei COLOR FOTO, diverse Bücher, Kodak Fotobuchpreis 1999 für "Kreative Bildgestaltung in der Fotografie", TV-Serie, DAS ABC DER FOTOGRAFIE. Seit 20 Jahren mit meiner Frau zusammen, die ebenfalls gerne und sehr gut fotografiert.

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