Wer ist schuld: Juroren, Veranstalter oder Ausrichter?

detlevlogo-3thumbnail.jpgKommentar: Die Diskussion auf dem neuen DFV-Forum >>> läuft und viele Leute sagen ihre Meinung, was ich auch richtig finde. Ein Wort aber zu Fotografen, die grundsätzlich den Juroren die Schuld zuschieben. Vielleicht sollten diese eher mal anfangen, in ihren Clubs eine Vorauswahl der Bilder zu treffen (gerade bei grossen Wettbewerben mit Einsendezahlen von 3000 bis 30.000 Fotos), damit sich Juroren nicht mit jedem Urlaubsbild beschäftigen müssen, das oft an der Schmerzgrenze liegt. Mehr Zeit für die guten Bilder wäre dann auch.

Ein Juror kann nur so gut sein, wie der Veranstalter/Ausrichter es möchte! Ein Juror, der 3690 digitale Daten jurieren muss, ist für mich eine „arme Sau“ der für wenig Geld zwei Tage seines Lebens vergeudet. Und es wundert mich, dass sich immer wieder Juroren finden, die sich und ihren Augen dies überhaupt noch antun. Dazu kommt meist ein schlecht eingestellter Beamer, falsche Schärfung und Berechnung der Bilddaten vom Einsender und oft eine völlig unzureichende Verdunklung.  Bei einem Papierbild kann ich davon ausgehen, daß der jeweilige Einsender diese Färbung, diese Schärfung usw. wollte. Bei einem Beamer habe ich diese Zuversicht nicht.

Grundsätzlich weigere ich mich, dieses „digitale Bilderlotto“ mitzumachen. Wobei ich immer gerne bereit bin Papierbilder zu jurieren – egal welche Anzahl. Warum ich digitale Daten bei einem Wettbewerb noch ablehne, würde hier Seiten füllen. Wobei mir auch klar ist, das internationale Wettbewerbe nur so in den Griff zu bekommen sind.

Noch schlimmer ist aber, dass die Juroren selten vom Veranstalter/Ausrichter ein „Briefing“ bekommen. Nach dem Motto „setzt euch und drückt die Punkte“ oder „hebt das Händchen“ geht es ohne Einweisung meist sofort los. Früher war noch die allgemeine Anweisung „bitte nicht mit den anderen Juroren sprechen“. Ach ja:  „Und bitte beeilt euch, das Essen steht um XX Uhr auf dem Tisch“. Nun nimmt man 4 anstatt 3 Juroren, obwohl auf Bezirksebene die Ausrichter meist noch nicht mal wissen, wie sie an 3 vernünftige Juroren kommen sollen. Egal, wird man vermutlich dann auch mal auf Bezirksebene einführen, so wie man die „Punkte-Regelung“ auch dort abgesetzt hat und die „Runden-Regelung“ für allgemein verbindlich eingeführt wurde. Dass dort tatsächlich auch Amateurfotografen sind, die jede Hilfe wollen und nicht nur „DVF-Künstler“ wurde dabei vergessen. Zwischenzeitlich gibt es wieder Punkte oder Buttons mit Hilfestellung – was ich gut finde. Hier gab es „von unten“ auch Proteste.

Wie ein DFLler richtig schreibt, sind manche Veranstalter und so manches „Fachgremien-Aufsichtspersonal“ einfach beratungsresistent. Ein Bezirksvorsitzender ist meist auf sich selbst gestellt, wenn er Juroren braucht und auch im Ablauf einer Jurierung wird er allein gelassen. Wer ein 10seitiges Ehrenkodex-Papier in Funktionärsdeutsch liest, findet darin nichts was ihn bei der Ausrichtung eines Wettbewerbs weiterbringt. Man langt sich aber an den Kopf, wen man ein solch schwulstiges und in umständlicher Funktionärssprache geschriebenes Werk durchgelesen hat. Das es damit immer wieder „Übersetzungsschwierigkeiten“ gibt, wundert mich nicht. Auf eine genaue Anweisung, wie bei Verbänden zu jurieren ist, warte ich noch – sie sollte aber mindestens 20 Seiten haben. Inklusive Beschreibung wie der optimale Verbands-Juror aussieht.

Mein Spruch ist immer noch „Wettbewerb ist für den Fotografen 60 Prozent Können und 40 Prozent Glück“. Bei einem beratungsresistenten Veranstalter, der Juroren nur auf die Bilder loslässt und diesen dann die Schuld zuschiebt, ist es 80 % Glück und 20 % Können.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fotoszene von Detlev Motz. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.

Über Detlev Motz

Jahrgang 1946, gelernter Verlagskaufmann, 10 Jahre bei READER DIGEST, 25 Jahre Redakteur bei COLOR FOTO, diverse Bücher, Kodak Fotobuchpreis 1999 für "Kreative Bildgestaltung in der Fotografie", TV-Serie, DAS ABC DER FOTOGRAFIE. Seit 20 Jahren mit meiner Frau zusammen, die ebenfalls gerne und sehr gut fotografiert.

Schreibe einen Kommentar