Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander

Vor ca. 25 Jahren verschickte Fritz Pölking eine Presseinformation an viele Zeitschriften. Auch auf meinen Schreibtisch bei COLOR FOTO flatterte dieses 4-seitige Schreiben. Er nannte es „Die Freunde am Echten“ und gab darin Ratschläge, wie ein „echtes Tier- oder Naturfoto“ auszusehen hat. Nein, er ging noch weiter mit einem Vorschlag, wie so manche „falschen Naturfotos“ genannt werden sollten. Schon damals sagte ich ihm, dass dies nie eintreffen wird. Natürlich kenne ich Fotografen wie Norbert Rosing oder Gabriela Staebler, die sich daran halten, ohne dass sie von diesen Vorschlägen etwas wissen. In der Wettbewerbsfotografie hatten und haben seine Vorschläge aber NULL Erfolg. Natürlich wird kein Wettbewerbsfotograf seine Bilder mit „echte Naturaufnahme“ – „arrangierte Naturaufnahme“ – „erfundene Naturaufnahme“  usw. bezeichnen. Es gibt noch mehr Sparten, die er einführen wollte.  Denn er befand beispielsweise „ich kann keine Fütterungsanlagen aufbauen und kämpfende Tiere fotografieren um die Leute glauben zu lassen, das wäre in unberührter Natur passiert“. Doch kann man und es passiert immer öfters. Denn Wettbewerbsfotografie heisst „gewinnen, gewinnen, gewinnen – mit allen Mitteln“. Dabei bleibt die „Echtheit“ auf der Strecke, denn sie interessiert weder den Einsender noch den Juroren noch den Veranstalter. Wobei die „Echtheit“ bei TAUSENDEN eingehender Fotos, die im Sekundentakt juriert werden, kaum festzustellen ist. Wenn ich heute diese 4 Seiten lese, die ich immer aufgehoben habe, dann sind alle diese Informationen keine Realität geworden sondern Wunschträume. Aber deshalb ist es um so schöner, dass es immer noch Bücher wie von Norbert Rosing gibt, welche die Freunde am Echten pur vermittelt, wie „UP HERE“ aus dem Knesebeck-Verlag.

Ein Gedanke zu „Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander

  1. Lieber Detlev,
    da kann ich Dir nur uneingeschränkt zustimmen. Diese Auffassung von Fotografie sollte öfters mal in der Öffentlichkeit herausgestellt werden. Und zwar nicht nur was die „Naturfotografie“ betrifft, sondern in vielen Motivbereichen. Auch diese plakativen und gestelzten Porträt- und Aktbilder -meist aus Workshops- sind nicht wirklich kreativ. Eigentlich ist es nur eine „Leistung“ der Visagisten und Beleuchters. Bei den Wettbewerben haben leider lebendige Menschenbilder aus dem „wirklichen Leben“ kaum eine Chance. Ich weiß von was ich hier schreibe. Als Juror bin ich bei diesen Veranstaltungen oft am „missionieren“.
    Danke für Deinen Kommentar.
    beste Grüße aus Garching
    Herbert

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